Stimmen der Great Highland Bagpipe

Den Dudelsack stimmen – Schritt für Schritt

Wer mit der Great Highland Bagpipe, dem schottischen Dudelsack, anfängt, merkt schnell: Das Spielen ist die eine Sache, das Stimmen die andere. Im Internet findet man viele Einzelheiten, aber kaum eine Anleitung, die den ganzen Weg zusammenhängend beschreibt – vom Vorbereiten des Chanter-Reeds bis zu den fertig gestimmten Drones. Diese Lücke möchte ich hier schließen.

Der ausführliche Text ist zum einmaligen, gründlichen Durchlesen gedacht. Darunter steht ein kurzer Merkzettel mit den wichtigsten Punkten, zum Nachschlagen, wenn Sie die Pipe in der Hand haben. Beides gibt es auch als PDF – auf Deutsch und auf Englisch.

Anleitung und Merkzettel als PDF

Die ausführliche Anleitung und den Merkzettel gibt es auch als PDF – zum Ausdrucken und Abheften, auf Deutsch und auf Englisch.

1. Bevor es losgeht

Stimmen funktioniert nur mit einem Instrument, das in Ordnung ist. Der Sack muss dicht sein, alle Verbindungen sauber gehanft und die Reeds richtig eingesetzt. Verliert die Pipe irgendwo Luft, sucht man beim Stimmen nach einem Fehler, der gar nicht an den Reeds liegt.

Die wichtigste Voraussetzung sind aber Sie selbst: ein gleichmäßiger, ruhiger Blasdruck. Schwankt der Druck, schwankt auch die Tonhöhe – dann lässt sich nichts sauber einstellen. Spielen Sie die Pipe vor dem Stimmen einige Minuten warm. Wärme und Feuchtigkeit verändern die Tonhöhe, und in den ersten Minuten tut sich am meisten.

Ein Stimmgerät oder eine Stimm-App kann helfen, vor allem am Anfang. Man stellt es auf das Low A des eigenen Chanters ein. Entscheidend bleibt aber das Gehör – und das lässt sich trainieren.

2. Welche Reeds es gibt

Bevor es an die Reeds geht, eine wichtige Unterscheidung. „Reed“ ist nicht gleich „Reed“ – je nachdem, wo es sitzt und woraus es gemacht ist, wird es ganz anders behandelt. Wer das durcheinanderbringt, macht im schlimmsten Fall ein gutes Reed kaputt.

  • Das Chanter-Reed der Pipe ist ein Doppelblatt: zwei Blätter aus Riesenschilf gefertigt, die auf einer kleinen Metallhülse (Staple) festgebunden sind. Es lebt von der richtigen Feuchtigkeit und lässt sich in Grenzen nacharbeiten. Um dieses Reed geht es in den Abschnitten 3 bis 5.
  • Die Drone-Reeds sind Einfachblätter mit einer schwingenden Zunge. Heute sind sie meist synthetisch, mit Gummiring und Stimmschraube. Daneben gibt es, seltener, Drone-Reeds aus Riesenschilf mit einer Bridle aus gewachstem Hanf. Beide Arten werden unterschiedlich eingestellt – siehe Abschnitt 7.
  • Das Reed des Practice Chanters (PC) ist meist aus Kunststoff, seltener aus Riesenschilf. Es sitzt unter der Kappe des PC und hat mit dem Stimmen der Pipe nichts zu tun.

Was Riesenschilf ist

Wenn hier von Reeds aus Riesenschilf die Rede ist, ist ein ganz bestimmtes Material gemeint: das Riesenschilf (auch Pfahlrohr oder Spanisches Rohr genannt, botanisch Arundo donax). Das ist kein Holz, sondern ein hohes, schilfartiges Gras. Aus demselben Material werden auch die Blätter für Oboe, Klarinette, Fagott und Saxophon gefertigt. Das Schilf für Reeds stammt vor allem aus bestimmten Anbaugebieten in Spanien und Frankreich.

Kurz zum Reed des Practice Chanters (PC)

Ein Kunststoff-Reed nimmt keine Feuchtigkeit auf und lässt sich weder schleifen noch durch Anfeuchten verändern. Auch die Tonhöhe lässt sich mit dem Blasdruck kaum beeinflussen. Die Feuchtigkeit zieht dafür leichter in die Wicklung. Es lohnt sich also, nach dem Üben die Kappe abzunehmen und alles trocknen zu lassen. Schließen die Blätter nicht mehr sauber, kann ein kleiner Gummiring helfen. Ein PC-Reed aus Riesenschilf lässt sich dagegen ähnlich wie ein Chanter-Reed bearbeiten – schaben, leicht zusammendrücken, anfeuchten.

3. Das Chanter-Reed vorbereiten

Feuchtigkeit

Das Schilf, aus dem das Chanter-Reed gefertigt ist, reagiert sehr empfindlich auf Feuchtigkeit. Ist es zu trocken, klingt es dünn und zu hoch. Ist es zu nass, klingt es dumpf und zu tief. Das Reed vor dem Spielen abzulecken oder ins Wasser zu halten, schadet eher, weil es dem Reed einen Feuchtigkeitsschock versetzt. Besser ist es, das Reed gleichmäßig feucht aufzubewahren, zum Beispiel in einer Reed-Dose mit Feuchtigkeitsregler.

Ein neues oder länger nicht gespieltes Reed kann man einige Minuten lang durch das offene Ende der Hülse anblasen, damit das Schilf wieder Feuchtigkeit aufnimmt und besser anspricht. In den ersten ein, zwei Wochen verändert sich ein neues Reed noch, bis es eingespielt ist. Beim Kauf wählt man es deshalb eher etwas stärker, als es gerade angenehm ist, weil es beim Einspielen leichter wird. Anfassen immer nur an der Hülse, nie an den Blättern.

Der Crow-Test

Bevor das Reed in den Chanter kommt, prüft man es mit dem Mund. Nehmen Sie das Reed mit den Blättern voran zwischen die Lippen und blasen Sie an. Ein gutes Reed gibt zuerst ein leicht kratziges, schnarrendes Geräusch von sich – das nennen Piper den „Crow“. Blasen Sie etwas stärker, geht es in einen klaren, stabilen Ton über.

Genau diese Abfolge ist das gute Zeichen: erst der Crow, dann ein sauberer Ton. Pfeift das Reed nur hoch und schrill, ohne diesen Übergang, muss es eingestellt werden. Der Crow verrät auch etwas über den späteren Klang: Ein heller, höherer Crow lässt einen helleren Klang im Chanter erwarten.

Zu schwer oder zu leicht?

Ein Reed, das zu schwer ist, kostet viel Kraft und lässt sich nicht ruhig halten. Der schonendste Weg ist ein Gummiring (Bridle) weit unten am Reed, ruhig doppelt oder dreifach gelegt – höchstens bis etwa ein Drittel der Reedhöhe. Er drückt die Blätter etwas zusammen, und das Reed wird leichter. Der Vorteil: Das lässt sich jederzeit wieder rückgängig machen.

Ein Reed, das zu leicht oder ausgespielt ist, klingt zu hoch und dünn, zirpt bei den Verzierungen oder quietscht. Das Schilf ist mit der Zeit weich geworden. Mit einem Reed-Dorn lässt sich die Öffnung von innen vorsichtig weiten – das Reed wird wieder etwas stärker, klarer und stabiler.

Einige Reed-Hersteller empfehlen, ein zu schweres Reed ganz leicht zusammenzudrücken – an der Schallkammer, knapp oberhalb der Hülse, nie an den Blättern. Das macht das Reed leichter und etwas höher und kann ein unruhiges F beruhigen. Andere raten davon ab, weil das Reed dabei Schaden nehmen und unruhig werden kann. Ich würde deshalb zuerst immer den Gummiring versuchen und nur sehr vorsichtig drücken.

4. Nacharbeiten mit Schleifpapier

Hilft der Gummiring nicht, kann man die Blätter dünner machen. Das Reed wird dadurch leichter, und die hohen Töne werden im Verhältnis zu den tiefen etwas tiefer. Dafür nimmt man sehr feines Schleifpapier oder ein scharfes Messer und arbeitet mit wenig Druck und in kleinen Schritten.

Mit äußerster Vorsicht vorgehen! Was weg ist, ist weg: Zu viel abgenommenes Material lässt sich nicht wiederherstellen, und das Reed wäre ruiniert. Lassen Sie sich den ganzen Vorgang am besten zuerst von einem Lehrer zeigen, der damit umgehen kann.

  • An den Spitzen der Blätter beginnen und sich langsam Richtung Mitte vorarbeiten.
  • Die Mitte der Blätter nicht zu dünn machen – sonst wird das F unruhig, und das High A neigt zum Überschlagen (Crow im Chanter).
  • Nach jedem Schritt das Reed wieder einsetzen und probieren.

Überschlägt das High A im Chanter, hilft oft ein ganz leichtes Anschleifen: entweder die äußeren Kanten der Spitze schräg unter etwa 45 Grad, oder die Stirnseite quer über sehr feines Papier (Körnung 800) ziehen, etwa 2 cm weit.

Das Kürzen der Spitze um 0,25 bis 0,5 mm macht das Reed härter und höher und beruhigt das F. Danach müssen die Blätter meist wieder etwas dünner gemacht werden. Das ist Arbeit für Fortgeschrittene.

5. Den Chanter stimmen

Die Oktave Low A – High A

Beim Chanter fängt man immer mit dem Low A an. Es ist der Grundton, auf den später auch die Drones gestimmt werden. Als Erstes prüfen Sie, ob Low A und High A eine saubere Oktave ergeben – also derselbe Ton, nur eine Oktave höher.

Eingestellt wird das über die Lage des Reeds im Reed-Sitz. Eine Bewegung des Reeds wirkt sich auf die hohen Töne stärker aus als auf die tiefen, weil die Luftsäule dort kürzer ist:

  • Reed tiefer in den Sitz drücken: Alle Töne werden höher, die hohen stärker als die tiefen. Hilft, wenn das High A zu tief ist. Zu tief gesetzt, beginnt das High A zu überschlagen, und das F wird unruhig.
  • Reed etwas herausziehen: Alle Töne werden tiefer, vor allem die hohen. Hilft, wenn das High A zu hoch ist, und beruhigt ein überschlagendes High A und ein unruhiges F.

Danach dieselbe Probe mit Low G und High G.

Die einzelnen Töne

Erst wenn die Oktaven stimmen, kommen die übrigen Töne dran. Spielen Sie langsam die Tonleiter, vom Low A aufwärts, und hören Sie jeden Ton gegen die Drones. Klingt ein Ton unruhig oder „wabert“, stimmt er nicht.

Ein zu hoher Ton lässt sich mit Klebeband tiefer machen: Man klebt das Griffloch, das diesen Ton bildet – also das oberste offene Loch –, vom oberen Rand her ein Stück ab. Das Loch wird dadurch gewissermaßen nach unten verschoben, und der Ton sinkt. Am häufigsten brauchen D und F etwas Band. Das Low G lässt sich mit Band über den Schalllöchern unten am Chanter tiefer machen – das verändert aber auch das Low A und die anderen Töne.

Ein zu tiefer Ton lässt sich mit Band nicht höher machen. Das ist ein Fall für einen erfahrenen Piper oder Instrumentenbauer.

6. Die Drones stimmen

Alle drei Drones werden auf das Low A des Chanters gestimmt: die beiden Tenor-Drones eine Oktave tiefer, der Bass zwei Oktaven tiefer. Ziel ist am Ende kein Nebeneinander von drei Tönen, sondern ein einziger, ruhiger Klang.

Worauf man hört, ist die Schwebung: Zwei Töne, die fast, aber nicht ganz gleich sind, erzeugen ein rhythmisches Wabern. Je näher man dem richtigen Punkt kommt, desto langsamer wird es – bis es ganz verschwindet.

Und zur Richtung: Wird das Oberteil einer Drone auf dem Stimmschieber nach oben gezogen, wird die Drone länger und damit tiefer. Nach unten geschoben wird sie kürzer und höher.

Erst die Drones unter sich

Für den Anfang ist es leichter, die Drones zuerst ohne Chanter zu stimmen. Den Chanter herausnehmen und den Chanter-Stock mit einem Stopfen verschließen, ebenso den Bass oben verschließen.

  1. Den äußeren Tenor so einstellen, dass am Stimmschieber noch ein, zwei Wicklungen Hanf zu sehen sind. Den inneren Tenor weit oben auf seinem Schieber ansetzen.
  2. Sack füllen, gleichmäßig blasen. Man hört die beiden Tenöre gegeneinander schweben.
  3. Den inneren Tenor langsam nach unten schieben, bis die Schwebung verschwindet und beide Tenöre wie einer klingen.
  4. Den Stopfen vom Bass nehmen und in den mittleren Tenor stecken. Das Bass-Oberteil auf ein, zwei sichtbare Hanfwicklungen stellen, das Bass-Mittelteil etwa einen Zentimeter über dem unteren Ende seines Schiebers.
  5. Wieder gleichmäßig blasen und das Bass-Mittelteil langsam nach oben ziehen, bis die Schwebung verschwindet.

Dann mit dem Chanter

  1. Chanter einsetzen, Low A spielen und den äußeren Tenor zum Chanter stimmen.
  2. Ein bewährter Kniff dafür: Kurz etwas stärker blasen. Klingt es dabei besser, die Drone ein Stück nach oben ziehen. Klingt es beim schwächeren Blasen besser, die Drone ein Stück nach unten schieben.
  3. Dann High A spielen – nur für einen gleichmäßigen Luftstrom – und dabei nicht auf den Chanter, sondern auf die Drones hören. Den Bass einstellen, bis er mit dem Tenor zu einem Klang verschmilzt.
  4. Genauso den mittleren Tenor dazustimmen.

Zum Üben: Schieben Sie eine Drone bewusst über den richtigen Punkt hinaus, bis die Schwebung wiederkommt, und gehen Sie wieder zurück. So lernt das Ohr, den Punkt zu finden. Fünf bis zehn Minuten Stimmübung am Tag machen einen spürbaren Unterschied.

Richtwert: Gestimmt sollte das Oberteil einer Tenor-Drone etwa zwischen der Hanflinie und rund 9 mm darüber stehen, beim Bass etwa an der Hanflinie. Liegt der Stimmpunkt deutlich außerhalb, sollte das Drone-Reed selbst nachgestellt werden – siehe nächster Abschnitt.

7. Die Drone-Reeds einstellen

Hier kommt es darauf an, welche Drone-Reeds Sie spielen. Synthetische Reeds und Reeds aus Riesenschilf sehen ähnlich aus, werden aber unterschiedlich eingestellt und gepflegt. Einiges gilt für beide.

Für beide Arten: fester Sitz und die richtige Stärke

Jedes Drone-Reed muss gerade und in Verlängerung der Bohrung im Reed-Sitz stecken – fest und luftdicht. Das regelt man mit gewachstem Hanf am Reed: so lange dazugeben oder wegnehmen, bis das Reed sicher sitzt. Etwas weiches Wachs auf dem Konus hilft beim Abdichten. Ein lockeres Reed verliert Luft und kann im schlimmsten Fall in den Sack fallen.

Dann jede Drone einzeln prüfen, die anderen dabei verschließen, und den Blasdruck langsam steigern. Ein richtig eingestelltes Drone-Reed braucht möglichst wenig Luft und schaltet erst kurz vor Ihrem stärksten Blasdruck ab.

  • Schaltet das Reed schon früher ab, quietscht es oder springt es kaum an: Es ist zu leicht.
  • Schaltet es gar nicht ab und verbraucht es viel Luft: Es ist zu schwer.
  • Kippt es bei wenig Druck in ein schnarrendes „Rrrr“ (Doppelton), braucht es weniger Luft zum Ansprechen.

Die Zunge eines Drone-Reeds ist an einem Ende fest, am anderen schwingt sie frei. Sehen Sie sich das an Ihrem Reed genau an, bevor Sie etwas verschieben – davon hängt die Richtung ab.

Synthetische Drone-Reeds

Die meisten Piper spielen heute synthetische Drone-Reeds, meist mit einer Zunge aus Kunststoff oder Carbon. Die Bridle ist hier ein Gummiring, und für die Tonhöhe gibt es eine Stimmschraube. Beides hat eine eigene Aufgabe:

  • Gummiring Richtung freies Zungenende: Das Reed braucht weniger Luft, spricht bei weniger Druck an und wird etwas höher. Das hilft gegen den Doppelton und wenn das Reed zu schwer ist.
  • Gummiring Richtung festes Zungenende: Das Reed wird stärker, braucht mehr Luft und wird etwas tiefer. Das hilft, wenn es zu früh abschaltet oder quietscht.
  • Stimmschraube: verändert nur die Tonhöhe. Hineindrehen macht den Ton höher, herausdrehen tiefer. Damit bringt man den Stimmpunkt der Drone an die richtige Stelle am Stimmschieber. Die Bauart ist je nach Hersteller verschieden – im Zweifel die Anleitung des Herstellers lesen.

Den Gummiring nur in ganz kleinen Schritten bewegen, etwa einen halben bis einen Millimeter, und nach jedem Schritt die Drone allein prüfen. Die Einstellung ist sehr empfindlich. Synthetische Reeds mögen es trocken: Feuchtigkeit ist bei ihnen eher ein Störfaktor, deshalb gehört ein Feuchtigkeitssystem im Sack dazu. Die Zunge und den Gummiring im Alltag möglichst nicht berühren.

Drone-Reeds (Riesenschilf)

Drone-Reeds aus Riesenschilf sind seltener geworden, werden aber wegen ihres Klangs nach wie vor gespielt. Bei ihnen ist die Zunge direkt aus dem Schilf geschnitten, und die Bridle ist eine Wicklung aus gewachstem Hanf. Eine Stimmschraube gibt es in der Regel nicht.

  • Die Bridle am besten mit Schusterwachs oder einem ähnlich klebrigen Wachs wachsen – Bienenwachs und fertig gewachster Hanf neigen zum Rutschen.
  • Die Spannung der Bridle zählt: Zu fest gebunden, quietscht das Reed oder schaltet ab. Zu locker, klingt es unruhig und dumpf.
  • Höher wird das Reed, wenn man es tiefer in die Drone setzt oder die Bridle zum geschlossenen, gewachsten Ende des Reeds schiebt.
  • Tiefer wird es, wenn man es weiter herauszieht, die Bridle Richtung Drone schiebt oder die Zunge mit etwas Siegelwachs oder Band beschwert.

Anders als synthetische Reeds mögen Reeds aus Riesenschilf ein gewisses Maß an Feuchtigkeit, ähnlich wie das Chanter-Reed. Ein neues Schilf-Reed braucht außerdem eine Einspielzeit, bis es seinen Klang gefunden hat. Die Zunge nie hochbiegen und zurückschnappen lassen – das schädigt die Fasern.

Stärke und Stimmpunkt zusammen

Stärke und Stimmpunkt beeinflussen sich gegenseitig. Man stellt deshalb abwechselnd beides nach, mit immer kleineren Schritten, bis der Stimmpunkt am richtigen Platz liegt und die Stärke zu Ihrem Blasdruck passt. Bevor Sie etwas verstellen, schließen Sie Feuchtigkeit als Ursache aus.

8. Wenn es trotzdem nicht klappt

Die häufigsten Ursachen sind selten die Reeds selbst, sondern ein undichter Sack, ein unruhiger Blasdruck oder zu nasse Reeds. Gehen Sie in diesem Fall noch einmal an den Anfang zurück. Und lassen Sie sich nicht entmutigen: Stimmen lernt man nicht an einem Tag. Mit etwas Geduld wird aus drei Drones und einem Chanter ein Klang.

Merkzettel zum Stimmen

Die wichtigsten Punkte zum Nachschlagen – mit der Pipe in der Hand.

Vorher

  • Sack dicht, Verbindungen gehanft, gleichmäßig blasen.
  • Pipe einige Minuten warmspielen.

Chanter-Reed (Riesenschilf)

  • Nur an der Hülse anfassen, nie an den Blättern.
  • Gleichmäßig feucht halten, nicht ablecken.
  • Crow-Test: erst schnarren, dann klarer Ton = gut.
  • Zu schwer: Gummiring unten am Reed (max. ein Drittel hoch).
  • Zu leicht: mit Reed-Dorn von innen leicht öffnen.
  • Schleifen: von der Spitze Richtung Mitte, Mitte nicht zu dünn.
  • Schleifen nur mit äußerster Vorsicht – was weg ist, ist weg. Erst vom Lehrer zeigen lassen.

Chanter

  • Immer mit Low A anfangen.
  • High A zu tief → Reed tiefer setzen. High A zu hoch → Reed herausziehen.
  • Dann Low G / High G prüfen.
  • Tonleiter langsam gegen die Drones. Zu hoher Ton → sein Griffloch oben etwas abkleben (oft D und F).

Drones

  • Oberteil hoch = tiefer, runter = höher.
  • Auf die Schwebung hören: wird langsamer, dann weg.
  • Reihenfolge: äußerer Tenor → Bass → mittlerer Tenor.
  • Mit Chanter: Low A für den Tenor, High A für Bass und mittleren Tenor.
  • Stärker blasen klingt besser → Drone hoch. Schwächer klingt besser → Drone runter.
  • Tenor-Oberteil gestimmt: Hanflinie bis ca. 9 mm darüber. Bass: etwa an der Hanflinie.

Drone-Reeds – beide Arten

  • Fest und luftdicht im Sitz (gewachster Hanf, etwas Wachs).
  • Jede Drone einzeln prüfen, die anderen verschließen.
  • Soll erst kurz vor dem stärksten Blasdruck abschalten.

Synthetische Drone-Reeds

  • Doppelton / zu schwer → Gummiring Richtung freies Zungenende.
  • Schaltet zu früh ab / quietscht → Gummiring Richtung festes Ende.
  • Schritte ca. 0,5–1 mm.
  • Stimmschraube: rein = höher, raus = tiefer.
  • Trocken halten.

Drone-Reeds (Riesenschilf)

  • Bridle aus gewachstem Hanf, nicht zu fest, nicht zu locker.
  • Höher: Reed tiefer setzen oder Bridle zum gewachsten Ende.
  • Tiefer: Reed herausziehen, Bridle Richtung Drone oder Zunge beschweren.
  • Mögen etwas Feuchtigkeit, brauchen Einspielzeit.

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