Entdecken Sie die Magie des Dudelsacks in Regensburg

Die Geschichte des Dudelsacks

Von der ersten Erwähnung in der Antike bis heute – und seine Verbreitung über die Länder der Welt

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Aus dem Orient nach Europa

Ein Dudelsack besteht aus vier Teilen: einem luftdichten Sack, dem Anblasrohr, der Spielpfeife mit den Grifflöchern und einer oder mehreren Bordunpfeifen, den Drones, die einen gleichbleibenden Dauerton halten. Der Sack ist dabei die eigentliche Erfindung – er liefert durch den Armdruck einen ununterbrochenen Luftstrom und macht damit den durchgehenden Klang erst möglich.

Die ältesten Vorläufer sind Doppelrohrblattpfeifen aus Ägypten und Mesopotamien; aus Ur sind Silberpfeifen aus der Zeit um 2450 v. Chr. erhalten. Das griechisch geprägte Wort Askaules, der Sackpfeifer, setzt sich aus askos, dem Weinschlauch, und aulos, der Rohrpfeife, zusammen. Die ersten eindeutigen schriftlichen Belege stammen aus Rom: Der Geschichtsschreiber Sueton berichtet, Kaiser Nero habe gelobt, bei seinen Siegesspielen auch als Dudelsackspieler aufzutreten. Spätestens im 1. Jahrhundert nach Christus war das Prinzip von Sack und Pfeife damit bekannt – die Drones kamen allerdings erst im Mittelalter hinzu.

Das Instrument von ganz Europa

Nach dem Ende des Römischen Reiches verschwand der Dudelsack nicht. Ab dem 13. Jahrhundert erscheint er in großer Zahl in der europäischen Kunst: in Buchmalereien, an Kirchen und auf Gemälden von Hieronymus Bosch bis Pieter Bruegel. Geoffrey Chaucer lässt in den Canterbury Tales den Müller die Pilgergruppe mit dem Dudelsack aus der Stadt führen.

Der Dudelsack war in dieser Zeit kein schottisches, sondern ein gesamteuropäisches Instrument – das Instrument der Hirten, Spielleute und Bauernhochzeiten von Portugal bis Russland. Bis heute gibt es allein in Europa Dutzende verschiedene regionale Sackpfeifenformen.

In welchen Ländern der Dudelsack zu Hause ist

Der Dudelsack ist weit mehr als ein schottisches Instrument. In fast jedem europäischen Land hat sich eine eigene Form entwickelt – mit eigenem Namen, eigener Bauweise und eigener Musik.

Land Name des Instruments
Schottland Great Highland Bagpipe, Border Pipes, Scottish Smallpipes
Irland Uilleann Pipes, Brian Boru Pipes
England Northumbrian Smallpipes, Border Pipes
Wales Pibgod (Pipa cŵd)
Frankreich Cornemuse du Centre, Biniou (Bretagne), Bodega (Okzitanien)
Spanien Gaita gallega (Galicien), Gaita asturiana, Sac de gemecs (Katalonien)
Portugal Gaita transmontana
Italien Zampogna (Süditalien und Sizilien), Piva, Müsa
Schweiz Sackpfyffe
Deutschland Schäferpfeife, Hümmelchen, Dudey, Bock
Österreich Bock
Tschechien Dudy (besonders Strakonice), Gajdy
Slowakei Gajdy – seit 2015 UNESCO-Kulturerbe
Polen Koza, Kozioł, Dudy podhalańskie
Ungarn Duda
Rumänien Cimpoi
Bulgarien Gajda und Kaba Gajda – seit 2025 UNESCO-Kulturerbe
Serbien, Kroatien, Bosnien, Nordmazedonien Gajde, Diple
Griechenland Gaida, Tsambouna, Askomandoura (Kreta)
Türkei Tulum (Schwarzmeerküste), Gayda (Thrakien)
Estland / Lettland / Schweden Torupill / Dūdas / Säckpipa
Russland, Ukraine, Belarus Volynka, Koza, Duda
Georgien / Armenien / Aserbaidschan Gudastviri / Parkapzuk / Tulug
Iran Ney-anbān
Tunesien und Libyen Mezoued
Oman Habban
Indien Mashak

Auch die Namen ähneln sich: Das spanische Gaita, das bulgarische Gajda und das arabische Ghaita gehen vermutlich auf dieselbe Wurzel zurück. Und das deutsche Wort „Dudelsack“ kam im 17. Jahrhundert aus dem Slawischen zu uns – vom tschechischen dudy.

Der Dudelsack in Schottland

Wie der Dudelsack nach Schottland kam, ist nicht geklärt – genannt werden römische Legionäre, nordische Seefahrer und heimkehrende Kreuzfahrer. Schon 1362 verzeichnen die königlichen Rechnungsbücher, die Exchequer Rolls of Scotland, eine Zahlung an die Pfeifer des Königs. Zu den frühesten Darstellungen gehören Steinfiguren in der 1446 gegründeten Rosslyn Chapel – ein Engel mit Dudelsack – und in Melrose Abbey. Der erste eindeutige Hinweis auf den Highland-Dudelsack stammt aus dem Jahr 1547.

In den Highlands wurde der Dudelsack zum Zeichen der Clan-Identität. Jeder bedeutende Clan hielt sich einen eigenen Piper – ein Amt mit hohem Ansehen, oft über Generationen in derselben Familie, wie bei den MacCrimmons. Der Piper spielte zur Begrüßung und zum Begräbnis, rief die Krieger zusammen und ging ihnen in die Schlacht voraus.

Wie die Great Highland Bagpipe entstand

Die heutige Pipe mit ihren drei Drones ist über rund zweihundert Jahre gewachsen. Die mittelalterliche schottische Pipe hatte nur eine einzige Drone. Um 1500 kam die zweite Tenor-Drone dazu. Wann die große Bass-Drone folgte, ist nicht genau belegt – genannt werden Daten zwischen 1600 und 1800, meist um 1700. Sie gibt der Great Highland Bagpipe den tragenden Klang, für den sie heute bekannt ist.

Die klassische Kunstmusik dieses Instruments heißt Ceòl Mòr, die große Musik, meist Piobaireachd genannt. Sie wurde jahrhundertelang nicht aufgeschrieben, sondern durch Canntaireachd weitergegeben – ein gesungenes Silbensystem, in dem jede Note und jede Verzierung ihre eigene Silbe hat. Erst in den 1790er Jahren hielt Colin Campbell of Nether Lorn rund 169 Stücke schriftlich fest. Seine Handschriften blieben lange unbeachtet und wurden erst im 20. Jahrhundert richtig bekannt.

1746: Was wirklich verboten war

Nach der Schlacht von Culloden erließ die britische Regierung 1746 den Act of Proscription, auch Disarming Act genannt. Hartnäckig hält sich die Erzählung, der Dudelsack sei damals als Kriegswaffe verboten worden. Die heutige Forschung sieht das anders: Im Gesetzestext wird der Dudelsack überhaupt nicht genannt, Verfahren wegen Dudelsackspielens sind nicht bekannt, und die Highland-Regimenter im britischen Dienst spielten weiter.

Aufgehoben wurde das Gesetz 1782. Der schwerere Schaden kam ohnehin nicht aus dem Gesetz, sondern aus den Highland Clearances: Zehntausende wurden von ihrem Land vertrieben und wanderten nach Kanada, in die USA, nach Australien und Neuseeland aus. Die Piper gingen mit.

Mit der britischen Armee um die Welt

Schon im 18. Jahrhundert gehörten Piper zu den schottischen Highland-Regimentern. 1854 wurde ihre Stelle formell anerkannt: Das Kriegsministerium genehmigte für bestimmte Regimenter einen Pipe Major und fünf Piper. Was zuvor Clan-Instrument war, wurde damit Teil einer Weltmacht-Armee – und ging mit ihr um den Globus.

Nach Indien, wo er bis heute zu den Militärkapellen gehört. Nach Pakistan, wo die Stadt Sialkot inzwischen zu den größten Dudelsackherstellern der Welt zählt und Pipes in alle Welt liefert. Nach Nepal über die Gurkha-Regimenter. Nach Jordanien, wo die Briten in den 1920er Jahren die Arabische Legion aufbauten und der Dudelsack seither zur Militärtradition gehört. Nach Afrika. Und mit den Auswanderern nach Kanada, in die USA, nach Australien und Neuseeland.

Der Dudelsack heute

Bei den World Pipe Band Championships in Glasgow treten heute Bands aus aller Welt an, etwa aus Kanada, den USA, Australien, Neuseeland und Frankreich. Gleichzeitig sind die alten europäischen Traditionen zurückgekehrt: In Galicien und Asturien lernen viele junge Menschen an Gaita-Schulen, in Süditalien wird die Zampogna gespielt, und in Böhmen erlebt der Bock eine Wiederbelebung. In der Slowakei und in Bulgarien steht die Dudelsack-Tradition inzwischen auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.

Das Instrument, das lange als bäuerlich und zu laut galt, ist damit heute beides – ein weltweit verbreitetes Zeremonialinstrument schottischer Prägung und ein lebendiges Volksinstrument in Dutzenden europäischer Regionen.

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© 2026 Udo Zahlauer, Dudelsack Regensburg. Recherchiert und erstellt von Udo Zahlauer. Die Vervielfältigung oder Veröffentlichung dieses Textes, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Zustimmung gestattet.